Die heilsame Wirkung von Dankbarkeit

Dankbarkeit als Anker in meiner Meditationspraxis

Tägliches meditieren, der Kontakt mit mir selbst in der Stille, ist für mich etwas wahrhaft Nährendes und bis vor kurzem habe ich beharrlich und ohne Zweifel geübt. Bis neulich. Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Ich hatte einen Punkt erreicht, an den jeder ernsthaft Meditierende vermutlich hin und wieder gelangt: Mich plagten erhebliche Zweifel an der Meditationspraxis - meine Gedanken drehten sich darum, was ich alles erledigen muss, dass diese 30-45 Minuten am Tag wirklich Zeit fressen...  bla bla bla Ich verfiel für ein paar Tage in einen Zustand der Schwermut. Aber da ich einfach nicht gerne leide und eigentlich auch weiß, dass die Meditations- und Achtsamkeitspraxis auf mich eine sehr heilsame Wirkung haben, suchte ich nach einem Weg aus dem Schlammassel. Ich besann mich, anstatt weiter zu schmollen einfach auf das bisher Erreichte. Darauf, dass ich dank der Meditationspraxis viel Leichtigkeit im Leben erfahre, dass ich gelassener bin, dass ich einen innigeren Zugang zu den mir nahe stehenden Menschen habe, dass ich gesund bin und daher leicht in der Pose auf meinem Meditationskissen sitzen kann, etc.

Man kann sich einfach entscheiden dankbar zu sein 

Im Außen meines Lebens habe ich nicht viel verändert. Eigentlich habe ich mich lediglich dazu entschieden, meine Geisteshaltung zu ändern. Indem ich mich dankbar auf das besann, was ich bereits erreicht habe, auf das was gut läuft, änderte sich meine Stimmung fast augenblicklich. Inzwischen habe ich dazu ein bisschen recherchiert und bin auf interessante Beiträge gestoßen, wie z.B. dieser Impulsvortrag von Siegfried Essen. Hier wird beschrieben, wie man durch eine dankbare Grundhaltung so ziemlich jeder Situation, die einem nicht gefällt, seinen Schrecken nehmen kann, ja sogar Stress dauerhaft reduzieren kann.

Der Neurowissenschaftler Rick Hanson hat herausgefunden, dass unser Stammhirn, bedingt durch unsere Lebensweise mit den ständig auf uns einprasselnden Eindrücken, sich in einer Art "Dauerflucht vor dem Tiger" befindet. Da all unsere Hinrareale vernetzt sind, sendet das Stammhirn die Info auch an das limbische System, das der Hausherr über Gefühle und Verhaltensweisen ist. Die Informationen "Flucht, Angriff oder Erstarrung" wird quasi dauerhaft in uns angestoßen durch die Stressreaktionen im Stammhirn. An dieser Stelle spare ich mir, die ausgiebige Beschreibung der Langzeitwirkungen von Dauerstress, lediglich Burn-Out, Depression, Krebs, Rücken- und Herzprobleme seien als die verbreitetsten Leiden genannt.

Das Meditation - und die bewusste Fokussierung auf die Dinge, für die wir dankbar sind fällt dahinunter - eine heilsame Wirkung auf die Psyche hat, ist hinlängst bekannt. Die Aufmerksamkeit auf das Leben in Dankbarkeit zu richten ist wahrlich eine sehr wohltuende Form der Achtsamkeitspraxis. Wir durchbrechen dabei bewusst den alten Stresszirkel von negativen Glaubenssätzen, Gefühlen und Verhaltensweisen, sodass das gesamte System Mensch wieder in Harmonie zusammen arbeitet - Körper und Geist als entspannte Einheit. 

In Kontakt mit der Dankbarkeit treten

Aber wofür soll ich dankbar sein, wenn der Tag so richtig besch... gelaufen ist? Nun die Antwort darauf lautet: Dass du in diesem Moment atmen kannst, ist ein Grund dankbar zu sein! Ich habe mir inzwischen angewöhnt, mich gerade mit den kleinen, scheinbar selbstverständlichen Dingen im Leben zu verbinden. Dafür dankbar zu sein. Die Nahrung, die ich jeden Tag essen darf, die Kleidung, die ich trage, meine Gesundheit, mein Sohn, meine ganze Familie, die Sonne, der Regen... Durch dieses neue Bewusstsein für die kleinen, unscheinbaren Dinge in meinem Leben, eröffnet sich mir eine neue Dimension an Reichtum, Zufriedenheit und Heiterkeit. 

Dankbarkeit als tägliches Ritual

Um diese wunderbare Geisteshaltung zu kultivieren, gibt es sicher so viele Methoden, wie es Menschen gibt. Ich baue die Bewusstheit für die Dinge, für die ich dankbar bin, derzeit in meine Meditation mit ein. Es gibt aber auch die Möglichkeit sich die Dinge, die am Tag "gut gelaufen" sind, zu notieren - ein Dankbarkeitstagebuch z.B.! Oder man hält 2-3 mal am Tag (z.B. morgens/mittags/abends) inne und verbindet sich mit den Dingen, für die man gerade dankbar sein kann/möchte. Ich bin kein religiöser Mensch, aber in diesem Zusammenhang finde ich ein Tischgebet, in dem man seinen Dank für die Mahlzeit ausdrückt auch eine sinnvolle Sache. In der Pflege der Dankbarkeit sind der Fantasie sicher keine  Grenzen gesetzt und ich bin gespannt, wohin mich diese Reise noch führt. Ich lade dich ein, ebenfalls ein bisschen mit Dankbarkeit zu experimentieren. Vielleicht hast du ja auch schon Erfahrung damit gemacht? Teile dich gerne in einem Kommentar mit oder schreib mir: mareike@meditationundachtsamkeit.com

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