Kraft tanken durch Achtsamkeit und Selbst-Empathie

Mitgefühl und Empathie durch Achtsamkeit schulen

In den letzten Wochen und Monaten sind mir die Themen "Mitgefühl" und auch "Empathie" immer wieder begegnet: In meinem Privatleben, in Diskussionen mit Freunden aber auch mit mir eher flüchtig bekannten oder gar unbekannten Menschen, z.B. in social media Kanälen (vor allem im Angesicht der aktuell sehr großen Anzahl an Menschen, die in unserem Land nach Zuflucht suchen). Das hat mich bewogen, diese menschliche Fähigkeit einmal im Lichte der Achtsamkeit zu besprechen. 

Was ist Empathie und in welchem Verhältnis steht sie zur Achtsamkeitspraxis?

Obschon sich manch einer darüber streitet, kann man die Begriffe Mitgefühl und Empathie meiner Meinung nach  durchaus synonym verwenden. Ich kann nicht empathisch sein, ohne dabei mitzufühlen (oder auch mich einzufühlen). Wenn ich also von Empathie spreche, dann meine ich eine mitfühlende Grundhaltung, die Bereitschaft, Gefühle (meine eigenen oder die eines anderen!) so wahrzunehmen, wie sie sind. Sie so anzunehmen wie sie sind - völlig wertfrei und ohne weitere Kommentierung.

Das bringt mich auch direkt zur Achtsamkeit. Wenn ich mich in Achtsamkeit schule, dann schule ich genau dieses wertfreie und annehmende Gewahrsein. Ich lasse den gegenwärtigen Moment zu, so wie er ist. Ich lasse meine Gefühle zu, so wie sie sind - ohne sie dabei anders haben zu wollen oder gar wegzudrücken, weil sie vielleicht unangenehm sind. Der nächste Schritt ist dann auch, den anderen so zuzulassen, so sein zu lassen wie er/sie ist. Aus dieser Haltung heraus kann ich schon fast gar nicht mehr anders als mitfühlend zu sein. 

Der Schlüssel liegt in uns

Um noch einmal auf den Anstoß des Themas zurück zu kommen: Ich höre und lese zum Thema Empathie sehr häufig eine eher einseitige Perspektive: Die Empathie gegenüber Anderen. Sie wird derzeit besprochen als wichtige Komponente für den Umgang mit den Kindern, dem Partner, den Kollegen, bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, etc.

Dabei vermisse ich das Thema "Mitgefühl mit mir selbst". Wir geben, geben, geben und fühlen uns damit wohl, manchmal unwohl oder manchmal sogar dazu verpflichtet. Kaum jemand traut sich, öffentlich zu sagen, dass er/sie sich um sich selbst kümmern möchte. Dabei ist das doch die Basis für ein gutes, gesundes und kraftvolles Geben!

Darum möchte ich euch heute einmal dazu anhalten, euch selbst immer wieder ganz viel Mitgefühl zu geben. 

Durch Achtsamkeit einen Zugang zum eigenem mitfühlenden Kern erschließen

In meiner täglichen Achtsamkeitspraxis, die ich hier schon einmal etwas genauer beschrieben habe, begegne ich mir selbst so wie ich mich fühle, im Augenblick. Dabei tauchen natürlich auch immer wieder Momente auf, in denen ich z.B. negatvie Gefühle erlebe, Erschöpfungszustände wahrnehme oder merke, wie mein Geist regelrecht an einem Streit nagt, den ich kürzlich mit Jemandem hatte. All dies nehme ich als neutraler Beobachter wahr. Ich registriere alle auftretenden Gemütsbewegungen, lehne sie weder ab, noch verdamme ich sie, noch wünsche ich mir, dass alles anders wäre.

Die Achtsamkeit ist wie ein Fels in der Brandung. Sie ist wie eine liebevolle Mutter, die ihr trauriges oder verzweifeltes Kind in den Arm nimmt, ihm einen Rat gibt, mit dem Bewusstsein, dass alles auch wieder vorüber geht.

Diese mitfühlende Haltung mir selbst gegenüber ist ein wichtiger Schritt zur Heilung. 

Als kleines Beispiel schildere ich mal meinen Umgang mit Erschöpfung: Der Tag war lang und anstrengend und ich spüre Erschöpfung. Dies registriere ich als "da ist Erschöpfung" (ohne nochmal zu wiederholen warum und wieso). Ich bin einfach erschöpft. Das darf sein. Aus dieser Haltung heraus nehme ich mir die nötige Zeit, um meine Energiereserven wieder zu laden. Ich gönne mir ein paar tiefe Atemzüge oder lege mich hin oder tue was auch immer ich mir in diesem Moment gönnen möchte und kann (mit Blick auf die jew. Situation).

Das klingt so einfach, ist aber genau das, was sich viele Menschen tagtäglich verwehren. U.a. auch deshalb, weil sie gar nicht wahrnehmen, wie erschöpft sie eigentlich sind oder weil sie immer noch 100 Dinge im Kopf haben, die sie heute erledigen wollen. 

An dieser Stelle möchte ich dich anhalten und ermutigen zu mehr Mitgefühl dir selbst gegenüber. Habe Verständnis für dich. Gönn dir eine Pause, damit du wieder in dein Gleichgewicht kommst. Erlaube dir wegen eines Streits aufgewühlt oder wütend zu sein. Das darf sein. Das ist sowieso da. Indem du es annimmst, kannst du es heilen!

Mitgefühl und Empathie für andere kommen aus unserem Inneren, wenn wir die Kraft dafür haben

Erst dann, wenn du heil bist und in deiner Kraft, bist du in der Lage mitfühlend und empathisch anderen gegenüber zu sein!

Probiere doch mal, dich mitfühlend mit jemanden zu verbinden (mit all deiner Aufmerksamkeit!), wenn du gerade selbst total kaputt bist, wütend bist, nervös bist, Angst hast, etc. Es wird dir nicht gelingen. Erst wenn du ganz bei dir bist kannst du wirklich auch dem Anderen mitfühlend und empathisch begegnen. 

Mit diesem Wissen überlege noch einmal, ob du in den Momenten in denen du dich für andere "aufopferst" wirklich empathisch bist. Aus welcher Energie heraus bist du aktiv?

Wie geht es dir, wenn du diese Zeilen liest? Teile dich gern mit in einem Kommentar oder schreib mir: mareike@meditationundachtsamkeit.com

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