Warum du in emotional schwierigen Situationen zunächst nicht handeln solltest

Wie kann ich lernen, achtsam mit starken Emotionen umzugehen? Wie kann ich verhindern, dass mir die Dinge, die ich in solchen Situationen sage oder tue, mir hinterher leid tun?

Wie viele andere Menschen, erlebe auch ich immer wieder Situationen, in denen ich starken und auch unangenehmen Gefühlen ausgesetzt bin. Ich gehören zu den Menschen, die schnell „explodieren“. Mein Temperament ist sicher ein Teil meiner Persönlichkeit, aber es kam und kommt immer mal wieder vor, dass ich bei einer solch impulsiven Entladung irgendetwas Blödes mache und jemand anderen – häufig genau die Menschen, die mir am nächsten stehen – verletze.

Da es in diesem Blog überwiegend um die Meditations- und Achtsamkeitspraxis geht, ist es wohl keine Überraschung, dass ich auch auf meiner Suche nach einem angemessenen Umgang mit hitzigen und schwierigen Emotionen dabei hängen geblieben bin. Ja, gerade für die Problematik der schwierigen Emotionen habe ich in dieser Praxis einen für mich stimmigen Weg gefunden, um mit diesen schwierigen Gefühle „erwachsen“ umzugehen.

In diesem Artikel beschrieb ich bereits ausführlich, wie man intensive Gefühle annehmen und loslassen kann. Ich habe allerdings bei mir selbst beobachtet, dass ich manchmal so viel Achtsamkeit in der akuten Situation gar nicht aufbringen kann. Manchmal bin ich einfach zu schnell drin in der Wut. Das sind häufig Momente, in denen ich z.B. mit dem Widerwillen meines Kindes konfrontiert bin – am schlimmsten in Kombination mit Zeitdruck. Das sind die Momente, in denen ich auch wirklich nicht die Zeit habe, mich auf denn Prozess des „Annehmens und Loslassens“ einzulassen.

Was mache ich dann?

1. Ich handle nicht!

Was? Genau! Ich mache nichts. Das hat sich für mich tatsächlich als die „beste“ Strategie herausgestellt. Emotional schwierige Situationen sind intensiv und haben die Tendenz, dass sich eine Dynamik entwickelt, mit der ich persönlich häufig überfordert bin. Das ist der Zeitpunkt, an dem ich impulsiv und automatisch handle und diese Art Handlungen sind diejenigen, die ich hinterher bereue. Beispiele dafür sind:

Ich schreie jemanden an.
Ich beschimpfen jemanden.
Ich werde handgreiflich.
Ich renne kopflos davon und laufe Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden.
Ich zerstöre Gegenstände (manchmal wirklich unabsichtlich).

Diese Handlungen sind ein Ausdruck meiner inneren Unruhe, mit denen ich mich von den unangenehmen Gefühlen ablenken will. Daher ist es eine erste heilsame Herangehensweise, diesen Impulsen nicht nachzugeben. Stattdessen beobachte ich, was da in mir los ist.

2. Ich nehme meine Gefühle wahr.

Es gelingt mir am besten, die intensiven Gefühle wahrzunehmen, wenn ich gleichzeitig meinen Atem beobachte. Das hilft mir dabei, in eine beobachtende Haltung zu kommen.
Das hat zwei positive Effekte:
1.) Ich fahre mich selbst wieder herunter.
2.) Ich kann aus dieser Haltung heraus das Gefühl weiter beobachten, ohne mich weiter damit identifizieren zu müssen. Sich nicht zu identifizieren mit dem Gefühl ist eine Übungssache. Das gelingt am Anfang besonders gut, wenn wir aufhören Personalpronomen zu benutzen. So kann ich anstelle von „Ich bin wütend.“ auch „Da ist Wut.“ registrieren.
Das bringt ein bisschen Abstand zwischen meine Wahrnehmung und das Gefühl und ich kann einfach beobachten, wie es in mir pulsiert. Dann kann ich auch weiter beobachten, mit welchen Gedanken das Gefühl verknüpft ist (denn diese lassen die Gefühle entstehen).

Das aufmerksame Wahrnehmen und Beobachten ermöglicht es mir, die drei Ebenen – sensorische Empfindung, Gefühle und Gedanken – stetig voneinander zu trennen und wieder miteinander zu verbinden, ohne mich dabei mit einer dieser Ebenen ganz zu identifizieren oder unbedacht zu handeln. Ich erhalte dadurch einen Art inneren Spielraum zu behalten, mich selbst und die andere Person freundlich zu beobachten und mein Verhalten in wohlwollender Weise zu lenken.

Das Beste daran ist, dass immer, wenn mir dies gelingt, ich die Erfahrung mache, dass ich im Fluss der Aufmerksamkeit ein kompetenter und souveräner Mensch bin. Das gibt mir zudem die tiefe Befriedigung und das Bewusstsein, dass ich mich von meinen Gefühlen nicht habe überwältigen lassen.

Ein Gedanke zu „Warum du in emotional schwierigen Situationen zunächst nicht handeln solltest

  1. Das was Sie beschreiben, ist eine äußerst wirkungsvolle Haltung mit Emotionen umzugehen! Sie beschreiben dies sehr genau und treffend in meinen Augen! Schön auch die Selbstwirksamkeit zu erleben, sich nicht mehr mit dem Gefühlen zu identifizieren, sie jedoch wahrzunehmen und souverän handeln zu können. Und jede Erfahrung mit diesem anderen Umgang stärkt und festigt das neue Verhalten. Ich selber hatte für mich diese Haltung in Bezug auf Angst geübt. Oft, wenn diese allumfassenden Ängste auftreten, hilft es mir sehr diese Haltung einzunehmen und bewahrt mich davor, mich in eine Situation reinzusteigern.

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