Was ist Achtsamkeit und was ist daran heilsam?

Achtsamkeit ist ein Prozess

Achtsamkeit könnte man auch gleichbedeutend mit Aufmerksamkeit setzen. Sie ist ein Prozess, des bewussten Wahrnehmens, bei dem eine wertfreie, also "nicht-wertende" innere Haltung eingenommen wird. Der Fokus liegt dabei auf dem gegenwärtigen Moment, dem Hier und Jetzt. Wer sich in Achtsamkeit übt, nimmt wahr, was im Moment ist, nicht was sein sollte. Das Wahrgenommene (Gedanken, Gefühle, körperliche Verspannungen, etc.) wird einfach als das wahrgenommen was es ist, ohne dabei die gewohnten Bewertungen vorzunehmen: gut/schlecht, günstig/ungünstig, positiv/negativ, etc.  Die Akzeptanz dessen, was gerade ist, geht auch damit einher, dass man nicht hinterfragt ("Warum fühle ich mich gerade so? Warum tauchen ausgerechnet diese Gedanken jetzt auf?"), sondern dass man es einfach annimmt: "So ist es jetzt." Das bedeutet, dass Achtsamkeit einerseits nüchtern, real und desillusionierend ist, gleichzeitig integrierend und liebevoll.

Jon Kabat-Zinn, der Begründer des MBSR definiert Achtsamkeit als

"eine besondere Form der Aufmerksamkeitslenkung, wobei die Aufmerksamkeit absichtsvoll und nicht bewertend auf das bewusste Erleben des gegenwärtigen Augenblicks gerichtet ist."

Der Wert von Achtsamkeit, wie ich ihn erlebe

In fast allen Bereichen meines Lebens habe ich in den letzten Jahren einen gesteigerten Stresspegel wahrgenommen: im Berufsleben, bei der Kindererziehung, in zwischenmenschlichen Beziehungen, etc. Dieser Stress führte bei mir oft dazu, dass ich in heiklen Situationen, in denen ich mich überfordert fühlte, die Kontrolle über alle "guten Umgangsformen" verlor und nicht selten unüberlegt redete oder handelte. Indem ich harsch oder brüsk reagierte rief ich oft Widerstand in meinem Gegenüber hervor, viel häufiger, als dass ich wirklich bekam, was ich eigentlich brauchte (Verständnis, Nachsicht, eine Umarmung, etc.). Natürlich habe ich im Nachhinein diese add-hock Handlungen oft bereut. 

Bei all dem wurde Achtsamkeit ein guter Berater für mich. Die Achtsamkeitspraxis half mir besonders durch den Ansatz der wertfreien Beobachtung, meine inneren und äußeren Erfahrungen besser zu verstehen, sowie persönliche und unbewusste Reiz-Reaktionsmuster zu erkennen. Dies führt heute im besten Fall zu einer souveränen Handhabung individueller Situationen - ich erkenne z.B. meinen aufkommenden Ärger lange bevor er sich unkontrolliert entladen kann und erweitere somit mein Spektrum an Reaktionsmöglichkeiten. Auf Basis dieses tieferen Verständnisses kann ich neue Reaktionsmöglichkeiten entwickeln, um die täglichen Herausforderungen des Lebens zu bewältigen.

Dazu fand ich dieses passende Zitat vom Neurologen und Psychiater Viktor E. Frankl:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegen unsere Freiheit und die Möglichkeit, unsere Antwort zu wählen. In unserer Antwort liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“

Besser mit schwierigen Emotionen umgehen

Achtsamkeit bot mir von Beginn an eine große Bereicherung in Form von geistiger Ruhe und Klarheit. Ich empfinde es als Segen, immer direkter Zugang zu meinen Emotionen zu erlangen. Besonders, wenn ich negative Gefühle, wie Stress, Frustration, Angst, Sorge, Niedergeschlagenheit und Wut empfinde. Emotionen stehen in engem Zusammenhang mit den Gedanken, die wir produzieren. Ich entlarve inzwischen unmittelbar die Gedanken, die die Ursache negativer Emotionen sind und kann diesen Einhalt gebieten, indem ich sie positiv beeinflusse.  

Es gibt noch viel mehr, dass ich der Achtsamkeitspraxis abgewinne:

  • Ich bin ausgeglichener, finde schneller zur Ruhe.
  • Ich lebe bewusster im Hier und Jetzt.
  • Ich habe mehr Geduld mit mir und meinen Lieben.
  • Ich nehme mich selbst bewusster wahr (Gefühle, Gedanken, mein Verhalten, etc.).
  • Ich kann negative Gefühle und Gedanken leichter loslassen.
  • Ich kann mich besser konzentrieren und bin aufnahmefähiger geworden.
  • Ich kann mich schneller in andere hineinzuversetzen und einfühlsamer reagieren.
  • Ich bin viel gelassener in schwierigen Situationen.
  • Ich schätze Situationen besser ein und reagiere dadurch angemessener.
  • Mir gelingt zunehmend die Entschleunigung meines Alltags und der Genuss des Augenblicks.

Achtsamkeit ist einfach. Ich kann mich immer wieder mit ihr verbinden, wenn ich spüre, dass mir eine Situation zu entgleiten droht. Aber um in den Genuss der ganzen Vorteile, die ich hier beschrieben habe zu gelangen, ist es schon wichtig, zu praktizieren. Es gibt 100.000 und mehr Wege, Achtsam zu sein. Es ist nicht zwangsweise notwendig, zu meditieren. Für mich ist es jedoch ein guter Zugang. Ich meditiere (fast) täglich wenigstens 20 Minuten. Dies hilft mir enorm auch im Alltag die Achtsamkeit aufrecht zu erhalten.

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